Nach Monaten, in denen über den Krieg in der Ukraine fast nur noch in Frontberichten gesprochen wurde, taucht plötzlich wieder ein Datum im Kalender der Diplomatie auf. Mitte November könnten Vertreter aus Washington, Moskau und Kiew erneut gemeinsam an einem Tisch sitzen. Den Anstoß dafür gab ein mehrstündiges Treffen in Sankt Petersburg, bei dem der Kremlchef mit dem amerikanischen Sondergesandten über Grundsätzliches sprach.
Wer genauer hinschaut, erkennt allerdings, wie vorsichtig diese Nachricht zu lesen ist. Zugestimmt wurde vor allem dem Format, nicht einem Ergebnis. Über Waffenruhe, Grenzverläufe oder Truppenabzüge wurde offenbar nichts Verbindliches vereinbart. Im Zentrum der geplanten Runde soll stattdessen die Frage stehen, wie eine Sicherheitsordnung nach dem Ende der Kämpfe aussehen könnte. Das klingt abstrakt, ist aber der Kern jedes dauerhaften Abkommens: Ohne verlässliche Garantien wird keine Seite Zugeständnisse machen.
Begleitet wurde das Treffen von Gesten, die man in der Diplomatie gern als Vertrauenssignale verkauft, etwa der Freilassung eines inhaftierten Amerikaners. Gleichzeitig hatte Washington zuvor bereits wirtschaftlich nachgegeben. Kritiker fragen deshalb, ob die eine Seite mehr gibt, als sie bekommt.
Für Europa ist die Entwicklung zweischneidig. Einerseits ist jede Gesprächsrunde besser als Stillstand. Andererseits bleibt offen, ob die Ukraine bei diesen Verhandlungen wirklich als gleichberechtigter Partner auftritt oder ob über ihren Kopf hinweg verhandelt wird. Die Hauptstädte der EU dürften die kommenden Wochen deshalb sehr aufmerksam verfolgen.
Eine kompakte Einordnung der Signale aus Sankt Petersburg, inklusive der Rolle von Kremlberater Uschakow, liefert der Bericht über Putins Offenheit für neue Dreiergespräche. Ob aus dem Novembertermin echte Bewegung wird, entscheidet sich nicht in Pressemitteilungen, sondern daran, ob am Verhandlungstisch konkrete Zusagen folgen.
