Im Kino gelten oft einfache Regeln. Große Studios, große Budgets und bekannte Figuren landen an der Spitze, kleine Filme kämpfen um Aufmerksamkeit. Umso erfrischender ist es, wenn diese Regeln einmal nicht greifen. Genau das ist in den USA am Halloween-Wochenende passiert.
Ganz oben in den Charts steht dort ein Dokumentarfilm. „You Can See Everything“ erzählt von Elizabeth Holmes, der Gründerin des gescheiterten Bluttest-Unternehmens Theranos. Gedreht haben ihn Nathan Fielder, der vor allem für seine eigenwilligen Comedy-Formate bekannt ist, und Lance Oppenheim. Besonders bemerkenswert ist der Zeitpunkt: Der Film kletterte erst in seinem dritten Wochenende an die Spitze. Das gelingt fast nur, wenn Zuschauer begeistert davon erzählen und andere mitziehen.
Knapp dahinter liegt „Clayface“, ein düsterer DC-Film über einen Batman-Gegenspieler. Der Abstand ist so gering, dass sich die Reihenfolge mit den endgültigen Zahlen noch ändern könnte. Insgesamt war das Wochenende an den Kassen eher ruhig, doch gerade deshalb fällt der Erfolg des kleinen Films besonders auf.
Alle Zahlen, die weiteren Plätze und einige überraschende Neueinsteiger fasst der Beitrag zur neuen US-Kinospitze übersichtlich zusammen.
Für unser Verzeichnis ist das eine gute Nachricht für alle, die gern abseits der großen Reihen ins Kino gehen. Ein spannend erzähltes Stück Wirklichkeit kann offenbar genauso viele Menschen anziehen wie ein Superheld. Vielleicht ermutigt dieser Erfolg Verleiher, Dokumentarfilmen öfter einen echten Kinostart zu geben, statt sie direkt auf Streamingplattformen zu schieben. Ob und wann der Film auch in deutschen Kinos zu sehen ist, lohnt sich im Auge zu behalten. Neugierig macht er auf jeden Fall, und das ist im heutigen Kinobetrieb schon viel wert.
