Gipfeltreffen enden oft mit wohlklingenden Erklärungen, die wenige Wochen später vergessen sind. Beim 21. Treffen zwischen der Europäischen Union und Kanada in Montreal sieht es zumindest auf dem Papier anders aus. Ratspräsident António Costa, Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen und Premierminister Mark Carney haben eine sogenannte Allianz für die Zukunft auf den Weg gebracht, die beide Partner wirtschaftlich und politisch enger verzahnen soll.
Interessant ist vor allem die Breite des Vorhabens. Es geht nicht nur um Zölle und Warenverkehr, sondern um sechs Felder: Handel und Regulierung, digitale Technologien und Forschung, kritische Rohstoffe und Energie, Finanzmärkte, Sicherheit und Krisenvorsorge sowie den Austausch zwischen den Menschen. Wer sich mit Lieferketten beschäftigt, erkennt sofort das Motiv dahinter. Europa und Kanada wollen sich bei Künstlicher Intelligenz, Quantentechnologie und Rohstoffen weniger abhängig von den großen Mächten machen.
Für Unternehmen auf beiden Seiten des Atlantiks könnte das langfristig spürbar werden. Kanada verfügt über reiche Vorkommen an Mineralien, die Europa für Batterien und Energiewende dringend braucht. Umgekehrt bietet der europäische Binnenmarkt kanadischen Firmen einen riesigen Absatzraum. Das bestehende Freihandelsabkommen bildet dafür bereits ein solides Fundament, das nun ausgebaut werden soll.
Spannend bleibt auch eine Debatte, die eher leise geführt wird: die Idee einer assoziierten Mitgliedschaft Kanadas in der EU. Nicht alle Mitgliedstaaten sind von diesem Begriff begeistert, und auch in Ottawa wird er eigenwillig gedeutet. Eine ausführliche Einordnung der Gipfelergebnisse und dieser Begriffsfrage liefert der Beitrag zur Allianz für die Zukunft zwischen EU und Kanada, der die wichtigsten Punkte verständlich zusammenfasst.
Für unser Verzeichnis ist das Thema ein gutes Beispiel dafür, wie sich Weltpolitik gerade neu sortiert. Statt starrer Blöcke entstehen flexible Partnerschaften, die je nach Thema weitere Länder einbeziehen können. Ob die Allianz hält, was sie verspricht, wird sich erst in den kommenden Jahren zeigen. Der Anspruch jedenfalls ist groß, und Montreal könnte rückblickend als Startpunkt gelten.
