Haute Couture galt lange als schönes, aber teures Hobby der Modewelt. Die Schauen in Paris waren prachtvoll, das eigentliche Geld verdienten die Marken jedoch mit Taschen, Sonnenbrillen und Düften. Nun deutet sich eine Kehrtwende an. Versace will im Januar 2027 mit Atelier Versace auf den offiziellen Pariser Kalender zurückkehren, erstmals seit 2016 und unter dem neuen Kreativdirektor Pieter Mulier. Gleichzeitig plant Hermès sein allererstes Couture-Defilee.
Dass gerade jetzt so viele Häuser auf Handarbeit setzen, hat mit einer simplen Rechnung zu tun. Ein sehr kleiner Kreis wohlhabender Stammkundschaft sorgt für einen großen Teil des Luxusumsatzes. Diese Menschen wollen nicht das, was man im Flughafen-Shop kaufen kann, sondern Stücke, die eigens für sie entstehen. Couture liefert genau das und strahlt zugleich auf alles andere aus, was ein Haus verkauft. Eine spektakuläre Schau wirkt wie eine Kampagne, nur glaubwürdiger.
Bei Versace kommt ein Eigentümerwechsel hinzu. Seit der Übernahme durch die Prada-Gruppe rückt die Marke spürbar nach oben, weg von Rabatten, hin zu Exklusivität. Andere Häuser haben den Weg schon vorgezeichnet, etwa Balenciaga mit seiner Rückkehr 2021. Ganz ohne Risiko ist das Modell dennoch nicht, denn einige Designer reduzieren ihre Couture-Termine bereits wieder.
Welche Häuser im Januar außerdem nach Paris drängen und welche Zahlen hinter dem Trend stehen, fasst diese Meldung zum Couture-Comeback von Versace und Hermès zusammen.
Unser Verzeichnis-Hinweis: Wer Mode als Kultur versteht, sollte die Couture-Woche im Januar im Kalender markieren. Selten waren so viele Debüts und Rückkehrer gleichzeitig zu erwarten, und selten verriet ein Laufsteg so viel über den Zustand einer ganzen Branche.
