Lange galt die Brille als nützliches, aber eher unscheinbares Accessoire. Man brauchte sie, man suchte eine passende Form aus, und damit war das Thema erledigt. Inzwischen hat sich das gründlich geändert. Fassungen sind zu einem der sichtbarsten Ausdrucksmittel der Mode geworden, und einige Häuser behandeln sie wie kleine Kunstobjekte, die man im Gesicht trägt.
Ein gutes Beispiel dafür ist die Zusammenarbeit zwischen einem Pariser Modehaus, das für seine radikalen Ideen bekannt ist, und einem südkoreanischen Label, das mit spektakulären Ladenkonzepten weltweit Aufmerksamkeit erregt. Gemeinsam spielen sie mit dem Gedanken, vertraute Formen auseinanderzunehmen und neu zusammenzusetzen. Was dabei herauskommt, wirkt absichtlich unfertig, übertrieben oder verzerrt, und gerade das macht den Reiz aus.
Spannend ist auch, wie viel Aufwand rund um eine Brillenkollektion inzwischen betrieben wird. Kurzfilme, Performances mit Choreografen und Pop-up-Flächen in mehreren Weltstädten begleiten den Start. Damit wird klar, dass es nicht nur um Verkaufszahlen geht, sondern um eine Geschichte, die Kundinnen und Kunden mit dem Produkt verbinden sollen.
Für den Alltag stellt sich natürlich die Frage, wer solche Modelle tatsächlich trägt. Die Antwort ist einfacher als gedacht: Menschen, die mit einem einzigen Teil ein ganzes Outfit verändern wollen. Eine auffällige Fassung zu einem schlichten Mantel oder einem schwarzen Pullover kann mehr Aussage haben als jede bunte Jacke.
Welche Modelle zur Kollektion gehören, wann sie erscheint und in welchen Städten die Pop-ups öffnen, erfahren Sie im Beitrag über die dekonstruierten Brillen. Wer den Herbst modisch mit einem echten Gesprächsanlass beginnen möchte, sollte sich die Entwürfe genauer ansehen und vielleicht den eigenen Blick auf Brillen ein wenig neu justieren.
