Nach dem Votum in Alberta: Warum Kanadas Ölprovinz bleibt und die Debatte trotzdem weitergeht

Selten wird eine Abstimmung, die rechtlich nichts entscheidet, so genau beobachtet. In Alberta haben die Menschen am Montag über zehn Fragen abgestimmt, doch eigentlich interessierte nur die letzte: Soll die Provinzregierung den Weg zu einem verbindlichen Referendum über die Abspaltung von Kanada einschlagen? Die Antwort fiel nach vorläufiger Zählung klar aus. Fast 78 Prozent wollen, dass Alberta Teil des Landes bleibt, gut 22 Prozent unterstützten den Trennungskurs. Rund 60 Prozent der Wahlberechtigten gingen hin, das amtliche Ergebnis wird Ende Oktober erwartet.

Auf dem Stimmzettel ging es auch um Zuwanderung, um ein Mitspracherecht der Provinzen bei der Ernennung von Richtern und sogar um die Abschaffung des Senats. Dass gerade die Frage zur Zukunft im Bundesstaat zuerst ausgezählt wurde, zeigt, worauf das ganze Land an diesem Abend gewartet hat.

Überraschend ist das Ergebnis vor allem in seiner Deutlichkeit, denn Umfragen hatten ungefähr diesen Anteil vorhergesagt. Der Zulauf der Separatisten in der reichen, schnell wachsenden Ölprovinz wird meist mit altem Ärger über Corona-Regeln und die frühere Klimapolitik der Bundesregierung erklärt. Premierminister Mark Carney, selbst gebürtiger Albertaner, hatte vor einer gefährlichen Illusion gewarnt und zugleich mit Pipeline, Schnellzug und Wohnungsbau um die Provinz geworben. Regierungschefin Danielle Smith lehnt die Trennung ebenfalls ab, nutzte die Abstimmung aber als Druckmittel gegenüber Ottawa.

Wie die Zahlen im Detail aussehen und welche Rolle Washington spielt, erklärt dieser Bericht zur Volksabstimmung in Alberta.

Unser Verzeichnis-Hinweis: Ein Fünftel der Stimmen ist eine Minderheit, aber keine kleine. Die Bewegung hat angekündigt weiterzumachen, und mit Trumps Zollpolitik sowie neuen Unabhängigkeitsplänen in Québec bleibt die Frage nach dem Zusammenhalt Kanadas eines der Themen, die man in den kommenden Monaten im Blick behalten sollte.

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