Wer jahrelang die Herrenmode bei Dior geprägt und parallel die Damenlinien von Fendi verantwortet hat, könnte sich bequem zurücklehnen. Kim Jones tut das Gegenteil. Der britische Designer gründet ein Label unter seinem eigenen Namen und plant das Debüt für die Saison Herbst/Winter 2027. Präsentiert werden soll die erste Kollektion Mitte 2027, und zwar digital statt auf einem klassischen Laufsteg. Bilder gibt es noch keine, die Richtung ist trotzdem klar: High Fashion, Streetwear und funktionale Utility-Elemente sollen zusammenfinden, also genau die Mischung, mit der Jones schon in den großen Häusern aufgefallen ist.
Spannend ist die Fertigung. Die Kleidung entsteht überwiegend in Japan, die Lederwaren kommen aus Italien. Beide Länder stehen für Präzision und Materialqualität, und diese Wahl setzt das neue Haus von Anfang an ins obere Preissegment. Dazu passt der geplante Flagship-Store in den Central Yards in Hongkong. Asien ist für das Label kein späterer Expansionsmarkt, sondern Startpunkt.
Auch das Timing fällt auf. In derselben Woche trennte sich Alexander McQueen von Kreativdirektor Seán McGirr, und Veronica Leoni verließ die Calvin Klein Collection nach nur vier Saisons. Während etablierte Marken also ihre Köpfe austauschen, setzt einer der bekanntesten Designer seiner Generation auf Eigenständigkeit. Das wirkt fast wie ein Kommentar zur aktuellen Lage: Kreative Freiheit scheint für manche wichtiger zu werden als die Ressourcen eines großen Konzerns.
Alle Eckdaten zum Start, zur Produktion und zum Store-Konzept stehen in dieser Meldung zum neuen Modehaus von Kim Jones.
Unser Verzeichnis-Tipp: Wer sich für Mode als Geschäft interessiert, sollte dieses Projekt bis 2027 im Blick behalten. Ein unabhängiges Debüt zeigt oft deutlicher, wofür ein Designer wirklich steht, als jede Kollektion im Auftrag anderer.
