Stahlbogen unter Druck: Warum die G7-Zusage für Tschernobyl erst der Anfang ist

Manche Bauprojekte sind so groß, dass sie erst auffallen, wenn etwas schiefgeht. Die Schutzhülle über dem früheren Unglücksreaktor von Tschernobyl gehört dazu. Das New Safe Confinement – ein riesiger Stahlbogen, der 2016 über die Ruine geschoben wurde – soll radioaktives Material einschließen und den kontrollierten Rückbau des alten Sarkophags möglich machen. Im Februar 2025 traf eine russische Drohne die Konstruktion. Innere und äußere Verkleidung wurden durchschlagen, technische Systeme beschädigt. Die Strahlenwerte in der Umgebung blieben laut Internationaler Atomenergiebehörde stabil, die politische und technische Sorge aber nicht.

In Bangkok haben die Finanzminister und Notenbankchefs der G7 nun 260 Millionen Euro für die Reparatur zugesagt. Frankreich führt derzeit die Präsidentschaft und brachte die Zusage am Rande der IWF- und Weltbank-Jahrestagung vor. Das klingt nach einem starken Signal – deckt aber nach ersten Schätzungen erst etwa die Hälfte des Bedarfs. Die Arbeiten sollen bis 2030 fertig sein, damit der Stahlbogen nicht korrodiert und seine geplante Lebensdauer von rund hundert Jahren halten kann. Für den 9. November ist in Paris eine Geberkonferenz geplant, gemeinsam mit der Ukraine und der Europäischen Bank für Wiederaufbau und Entwicklung.

Damit wird Tschernobyl erneut zu einem internationalen Finanzierungsthema: Wer zahlt, wer koordiniert, und wie lange hält der politische Konsens, wenn der Krieg weitergeht? Der Bogen gilt als eines der größten beweglichen Bauwerke der Welt; seine Beschädigung war ein Schock gerade weil das Projekt als Symbol internationaler Nuklearsicherheit galt.

Hintergrund, Zahlen und den Fahrplan bis zur Pariser Konferenz fasst dieser Bericht zur G7-Tschernobyl-Zusage zusammen.

Unser Verzeichnis-Tipp: Bei Nuklearprojekten lohnt der Blick auf die Finanzierungslücke ebenso wie auf die Schlagzeile. Die erste Zusage ist selten die ganze Rechnung.

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