Manche Modenschauen bleiben wegen der Kleider im Gedächtnis, andere wegen der Bühne. Bei Chanel kam in diesem Herbst beides zusammen. Im Grand Palais schwebten Hunderte beleuchtete Papierkraniche unter der Glaskuppel und spiegelten sich im Boden, während Matthieu Blazy seine Kollektion für Frühjahr und Sommer 2027 zeigte. Das Bild des Vogels zog sich als roter Faden durch den Abend: Leichtigkeit, Aufbruch und die Freiheit, die Gabrielle Chanel für sich und ihre Kundinnen gesucht hat.
Für Blazy, der 2025 von Bottega Veneta zu Chanel kam, war es erst die dritte Prêt-à-porter-Schau für das Haus. Entsprechend genau schaute die Branche hin. Er erzählte eine kleine Geschichte der Marke: zu Beginn zarte Lingerie aus Jersey mit sichtbaren Korsettstäben, später die Silhouette der Nachkriegsjahre, mit der Chanel einst ihr Comeback feierte, dazwischen Ballerina-Petticoats in Dragée-Blau und Elfenbein. Das Wechselspiel aus schwingendem Volumen und schmaler Taille machte die Kollektion zugleich verspielt und sehr kontrolliert.
Das eigentliche Gesprächsthema war aber der Tweed. Blazy präsentierte eine Seidenvariante, die nur wie das grobe Traditionsmaterial aussieht, und einen dehnbaren sogenannten Smock-Tweed, den er als technische Neuheit vorstellte. Damit wird aus der oft steifen Kostümjacke ein Kleidungsstück, das sich bewegt und im Alltag funktioniert. Genau diese Balance zwischen Respekt vor den Codes und einer jüngeren, lockereren Haltung scheint sein Programm für das Haus zu sein.
Eine ausführliche Beschreibung der Looks, der Inszenierung und der Hintergründe zu Blazys Handschrift gibt es im Amiratower-Artikel zur Chanel-Show im Grand Palais. Wir haben ihn in unser Verzeichnis aufgenommen, weil er die Schau verständlich einordnet, ohne sich in Fachjargon zu verlieren.
Ob der dehnbare Tweed bald in den Boutiquen hängt und wie Kundinnen darauf reagieren, wird sich im nächsten Frühjahr zeigen. Schon jetzt ist klar: Die Pariser Modewoche hatte mit diesem Abend einen ihrer schönsten und leisesten Höhepunkte.
