In Baden-Baden hat der DOSB München als deutschen Kandidaten für Sommer-Olympia nominiert. Das Duell gegen Köln-Rhein-Ruhr ist entschieden; der nationale Auswahlprozess endet, der härtere Teil beginnt: der Dialog mit dem Internationalen Olympischen Komitee. Erstmals seit 1972 will der deutsche Sport wieder Sommer-Spiele ins eigene Land holen – mögliche Zieljahre sind 2036, 2040 oder 2044. Für viele Beobachter war das Votum erwartbar, für die Verlierer dennoch schmerzhaft – und für die Gewinner der Beginn einer langen, riskanten Etappe.
München galt schon vor dem Votum als Favorit. Eine DOSB-Evaluierung hatte die Bewerbung mit 87 Punkten knapp vor Köln-Rhein-Ruhr mit 85 Punkten gelistet. Nach dem Bürgerentscheid in Hamburg und dem Rückzug Berlins war aus einem Mehrkampf ein Duell geworden. München überzeugte mit einem kompakten, am One-Village-Gedanken des IOC orientierten Konzept. Fußballspiele in Stuttgart und Segeln in Kiel bleiben Ausnahmen; der Kern der Wettkämpfe soll in Bayern bleiben. Genau diese Kompaktheit war im nationalen Wettstreit ein zentrales Argument gegen das Ost-West-Modell der Rheinländer.
Die Entscheidung war emotional aufgeladen. Befürworter der unterlegenen Bewerbung wollten ein wiedervereinigtes, modernes Deutschland zeigen; Bayerns Ministerpräsident Markus Söder und die Münchner Seite hielten dagegen, dass das IOC kompakte Spiele und bestehende Sportstätten bevorzuge. Am Ende zählten die Stimmen der olympischen Fachverbände, des Präsidiums und der persönlichen Mitglieder. Den nationalen Entscheid und den Weg zum IOC fasst Amiratower zusammen.
Die Vergabe für 2036 soll nach dem reformierten Verfahren erst Mitte 2029 fallen. Bis dahin müssen Konzepte geschärft, Finanzierungen abgesichert und politische Mehrheiten gehalten werden. Ein Bewerbungsprozess dieser Länge belohnt nicht den lautesten Slogan, sondern die belastbarste Planung. Für Sport und Politik heißt das: jetzt beginnt der Weltkampf – und München trägt die deutsche Fahne. Oberbürgermeister und Verbände müssen von nun an nicht nur lokal überzeugen, sondern international standhalten.
