Wenn Madonna einen älteren Clubmoment neu beleuchtet, geht es selten um reine Nostalgie. Mit Charli xcx bekommt „Danceteria Afterhours“ eine Partnerin, die für kompromisslose Popideen, elektronische Kanten und eine ausgeprägte Internetgegenwart steht. Die angekündigte Veröffentlichung am 24. September verspricht deshalb weniger eine Wiederholung als eine Begegnung zweier sehr unterschiedlicher Generationen von Nachtmusik.
Der Ausgangspunkt ist „Danceteria“, ein Stück aus dem Umfeld von Confessions II. Der neue Afterhours-Remix soll den Titel in eine dunklere, spätere Phase des Abends verschieben. Denkbar sind ein härterer Beat, mehr Raum für Stimmen und jene leicht übersteuerte Atmosphäre, die nach Mitternacht besser funktioniert als im Tagesradio. Ein bereits online kursierender Clip macht neugierig, ohne den fertigen Track vollständig vorwegzunehmen.
Spannend ist auch die Dramaturgie der Zusammenarbeit. Nach der jüngsten Verbindung mit Kylie Minogue zeigt Madonna erneut, dass sie ihren Katalog nicht als abgeschlossenes Archiv behandelt. Charli xcx bringt dagegen eine Fanbasis mit, die Remixe, Varianten und kurze Teaser als Teil des eigentlichen Musikerlebnisses versteht. Die Hintergründe zum Projekt beschreibt Amiratower.
Ob der Song im Club, auf Kopfhörern oder in kurzen Social-Clips am besten funktioniert, wird sich nach dem Release zeigen. Sicher ist: Die Kombination erzeugt Erwartungsdruck, aber auch eine seltene Form von Popgespräch. Zwei Künstlerinnen machen aus einem alten Nachtmotiv einen Treffpunkt für Gegenwart und Erinnerung.
Für die Hörerschaft könnte der Zeitpunkt entscheidend sein. Ein Song, der ausdrücklich auf die Stunden nach dem offiziellen Programm zielt, braucht nicht zwingend den klassischen Radioaufbau. Lange Spannungsbögen, ein überraschender Wechsel oder ein Refrain mit körperlichem Druck dürfen wichtiger sein als sofortige Eingängigkeit. Genau diese Freiheit macht den Remix zu einem kleinen Popereignis.
