Am Lido von Venedig ist der Pop der Neunziger wieder groß: Liam und Noel Gallagher sind zu den Filmfestspielen gereist, um die Weltpremiere ihrer Musikdokumentation „Oasis: Don’t Look Back In Anger“ zu begleiten. Die Ankunft per Wassertaxi, erhobene Faust und winkende Gesten vom Boot – das Bild wirkt wie ein Festivaltrailer in Echtzeit. Für Fans ist klar: Die Reunion-Tour „Oasis Live ’25“ hat jetzt auch eine filmische Spur.
Die Regisseure Will Lovelace und Dylan Southern zeigen Proben, Tourmomente und – laut Machern – das erste gemeinsame Interview der Brüder seit mehr als zwei Jahrzehnten. Emotionsgeladene Versöhnungsreden soll man nicht erwarten. Southern brachte es auf den Punkt: Das seien die Gallaghers, kein Seifenopern-Finale. Genau dieser trockene Ton macht die Erwartung spannend: weniger Pathos, mehr Haltung, mehr Britpop-Mythos.
Nach der Premiere in Venedig startet der Film am 9. September auch in deutschen Kinos. Parallel läuft am Lido bis zum 12. September ein starbesetztes Wettbewerbsprogramm mit Ehrenlöwen und Danny Boyles Eröffnungsfilm „Ink“. Für Kulturinteressierte ist das Festival damit doppeltes Terrain – Glamour und Soundtrack. Wer die Szene am Lido und den deutschen Kinostart einordnen will, findet einen ausführlichen Bericht mit den wichtigsten Stationen der Premiere.
Was bleibt, ist die Frage, wie Oasis 2026 jenseits der Arena wirkt. Eine Dokumentation kann Tourenergie konservieren, Rivalität relativieren und zugleich neue Generationen an die Hymnen heranführen. Venedig liefert die Bühne, der Kinostart die Breite. Ob der Film am Ende nur Festivalglanz oder ein nachhaltiges Pop-Dokument wird, entscheidet sich vor den Leinwänden – und in den Playlists, die danach wieder lauter drehen.
Für Leserinnen und Leser, die Festival und Bandgeschichte verbinden wollen, lohnt der Blick auf die Venedig-Berichte ebenso wie auf den Soundtrack der Reunion. Die Gallagher-Brüder haben die 90er nie ganz verlassen; jetzt schreiben sie ein neues Kapitel auf Zelluloid.
